APPLAUS! Die Ärztin Anja Mörder hat viele dankbare Patienten.

Sie sind da, wenn’s drauf ankommt, bleiben auf dem Posten, auch in Zeiten von Corona, versorgen uns mit Lebensmitteln oder kümmern sich um unsere Gesundheit. Wir finden diese Menschen großartig – und es gibt mehr von ihnen, als man denkt. Heute: die Chirurgin Anja Mörder.

Anfang April sollten in der Chirurgie im Stühlinger eigentlich die Sektkorken knallen, weil die Praxisklinik nach zweijähriger Vorlaufzeit zum Medizinischen Versorgungszentrum
(MVZ) wurde. Nach Feiern war der Ärztlichen Leiterin Anja Mörder und ihren Kollegen aber nicht zumute. Denn am gleichen Tag musste sie wegen der Corona-Krise Kurzarbeit verkünden, außerdem stürzte noch der Computer komplett ab, so dass alles handschriftlich erledigt werden musste, und drei Narkosegeräte verließen die Praxisklinik. Letzteres war allerdings die Folge einer „schönen Kooperation“, wie Mörder erklärt.

Die Geräte wurden an das St. Josefskrankenhaus ausgeliehen, damit die Klinik ihre Beatmungsbetten für Covid-19-Patienten aufstocken konnte, und dort stehen sie auch jetzt noch. „Das war eine für beide Seiten befriedigende Lösung“, sagt Mörder. Im MVZ im Stühlinger werden weniger Geräte benötigt, weil sich die Anzahl an Operationen reduziert hat. Nicht dringend notwendige Eingriffe werden verschoben, und für die übrigen sind ausreichend Narkosegeräte vorhanden. „Aus chirurgischer Sicht ist es schwierig im Moment“, erklärt die Ärztin, „aber von den Patienten bekommen wir ganz viel Dankbarkeit.“

Die Sprechstunden wurden in der Chirurgie im Stühlinger um etwa die Hälfte gekürzt. „Aber das Ende der Kurzarbeit ist in Sicht“, gibt sich Mörder optimistisch. Schließlich können Operationen auch nicht monatelang aufgeschoben werden.

Von Daniela Frahm

Wenn die Praxisklinik dem großen Krankenhaus hilft
(veröffentlicht am Sa, 25. April 2020 auf badische-zeitung.de)